Von der Inflation der Punkte

In den letzten Jahren – war es nun seit “101 Dalmatiner” oder schon vorher – pünktelt es zunehmend allüberall. Nicht auf dem Marienkäfer, nein. Auch nicht in Flensburg. Vor allem dort, wo die Tupfen nicht hingehören. Weitflächig über die Republik verteilt und vor allem im Net. Nicht als Punkte, die die Fäden verknoten. Sondern unerträglich überall da, wo dem Schreiber die Worte ausgingen, Fragmente bröckeln, sich ausgelassen wurde und weitaus mehr auszulassen wäre.

Soll es cool sein, fehlenden Hintergrund vortäuschen? Wurde das in der Schule Gelernte binnen Wochen schon vergessen? Mein Lektorenauge tränt, die Fremdschamröte überzieht sogar die Lider. Spätestens dann, wenn Punkte Buchstaben überwiegen.

Mir verleiden sie jegliche Leselust schon im Voraus. Sie wirken auf mich wie Mückenschisse an der Scheibe. Mag sein, mancher kann über sie hinwegsehen, mir gelingt es nicht. Und so pünkteln sie vor sich hin und tüpfeln und punkten. Und wenn sie nicht … (ja, hier – und genau hier – haben sie ihre Berechtigung, denn ihr dürft den Gedanken gerne selber punktgenau zu Ende bringen).

PS Drei Punkte mit Leerzeichen als Fortsetzungsdarstellung eines Gedankens oder als Wort-/Satzteilauslassung, auch am Satzanfang. Drei Punkte ohne Leerzeichen für nicht getippte Buchstaben. Nicht mehr, nicht weniger.

Lektorat

Was im Prinzip richtig ist, nämlich, dass sich ein Verlag eher für die Annahme eines lektorierten Manuskripts entscheiden wird, kann daneben gehen. Gründlich. Auf jeden Fall immer dann, wenn selbst ernannte Lektoren oder gar branchenfremde Freunde des Autors der Ansicht sind, sie könnten den Job. Einfach so.

Andererseits allerdings sollte man den Umkehrschluss beachten: Ein seriöser Verlag wird niemals ein Buch unlektoriert herausgeben, erst recht nicht ohne kompetente Korrektur. Vorsicht aber vor Verlags-Lektoren, wenn der eigene Internetauftritt dieses Personenkreises nicht mal in grammatikalischer Hinsicht einwandfrei ist.  Sollte ein Autor selber nicht die Fähigkeit haben dies zu überprüfen – bei guter Selbsteinschätzung – ist es wichtig, eine versierte, neutrale Person damit zu beauftragen.

Darüber hinaus beerdigen nicht nur Druckkostenzuschuss-Verlage den Traum der Schreiber, sondern auch die, die für ihre Autoren nicht wirklich was tun. Ein bloßes Einstellen in das Verzeichnis der einschlägigen Onlineanbieter ist zu wenig, und auch auf den Homepages dieser Verlage lassen bereits die Besucherzahlen zu wünschen übrig. Käufer verirren sich in der Regel eh kaum dorthin.

Sollte ein Anfänger die Feststellung machen, dass Verlagsmitarbeiter oder -inhaber auf ihn zugehen, ist Skepsis geboten. Vor allem dann, wenn ein Manuskript von den Großen der Branche vielfach abgelehnt wurde.  Die Hoffnung, dennoch oder gerade deswegen zu einer zweiten Rowling zu werden, fällt selten auf nahrhaften Boden. Eher Betrügern zu Füßen.