Die schwarze Freundin

Wieder einmal starb einer in ihrer Umarmung. Wiederholung. Endlosschleife.

Da wird er nun durchgelassen, der aus dem Leben Geschiedene. In sämtlichen Medien nur noch ein Thema. „Wer hätte das gedacht“, „Der hatte doch alles“, „Die arme Familie“. Und jeder gelobt Besserung, will künftig mit dem Tabuthema „Psychische Erkrankung“ anders umgehen.

Aber auch hier wird trotz Wille kein Weg sein. Nach wie vor werden psychisch Erkrankte die Außenseiter bleiben. Und die Rechnung für ihr „Nicht-Funktionieren“ ist erst das berufliche, dann das gesellschaftliche und oft auch das private Aus. Ja, wer Krebs hat, der ist was. Krank nämlich, und nicht arbeitsscheu, antriebslos, willensschwach, gefühlsarm, gestört, kein Simulant, kein Versager.

Keiner weiß, ob nicht die Mortalität bei Depressiven nicht sogar höher ist als die bei Krebskranken, denn wer kann sagen, ob ein Autocrash wirklich ein Unfall war oder ein Eigentötungsdelikt? Keiner der so voreingenommen Verurteilenden weiß, wie sehr diese Menschen noch zusätzlich unter den Vorwürfen ihrer Mitmenschen leiden. Denn sie sind ja nicht sichtbar gehandicapt. Oft spielen sie sogar ihre von der Gesellschaft aufgedrängte Rolle so perfekt, dass sie für wahre Glückskinder gehalten werden.

Keiner stolpert über die abgelegte Maske, denn die fällt nur in der Einsamkeit. Immer öfter. Und immer schwieriger wird es sie wieder aufzusetzen. Eine Chance hat nur der, der das Glück hat, beruflich-finanziell wie privat auf Gefühlsebene aufgefangen zu werden, falls er sich in stationäre Langzeittherapie begibt, einen guten Therapeuten findet und verträgliche Medikamente. Für die weniger Glücklichen sind die Weichen gestellt …

Dennoch, der Rummel mag vielleicht doch etwas Gutes haben: Er kann den Hinterbliebenen von Anderen helfen zu verstehen, dass nichts und niemand jemand aufhalten kann, der sich auf die große Reise machen will. Keine Liebe, kein Arzt, nicht Geld noch Ruhm.

Robin Williams? Mitnichten! Dieser Text entstand am 15. November 2009. Sie erinnern sich?