Von der Inflation der Punkte

In den letzten Jahren – war es nun seit “101 Dalmatiner” oder schon vorher – pünktelt es zunehmend allüberall. Nicht auf dem Marienkäfer, nein. Auch nicht in Flensburg. Vor allem dort, wo die Tupfen nicht hingehören. Weitflächig über die Republik verteilt und vor allem im Net. Nicht als Punkte, die die Fäden verknoten. Sondern unerträglich überall da, wo dem Schreiber die Worte ausgingen, Fragmente bröckeln, sich ausgelassen wurde und weitaus mehr auszulassen wäre.

Soll es cool sein, fehlenden Hintergrund vortäuschen? Wurde das in der Schule Gelernte binnen Wochen schon vergessen? Mein Lektorenauge tränt, die Fremdschamröte überzieht sogar die Lider. Spätestens dann, wenn Punkte Buchstaben überwiegen.

Mir verleiden sie jegliche Leselust schon im Voraus. Sie wirken auf mich wie Mückenschisse an der Scheibe. Mag sein, mancher kann über sie hinwegsehen, mir gelingt es nicht. Und so pünkteln sie vor sich hin und tüpfeln und punkten. Und wenn sie nicht … (ja, hier – und genau hier – haben sie ihre Berechtigung, denn ihr dürft den Gedanken gerne selber punktgenau zu Ende bringen).

PS Drei Punkte mit Leerzeichen als Fortsetzungsdarstellung eines Gedankens oder als Wort-/Satzteilauslassung, auch am Satzanfang. Drei Punkte ohne Leerzeichen für nicht getippte Buchstaben. Nicht mehr, nicht weniger.

Kurz und gut

Was immer Du schreibst – schreibe kurz, und sie werden es lesen, schreibe klar, und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.

Joseph Pulitzer

Das ist auch meine Maxime für Ihre Texte! Wortgenau, auf den Punkt getroffen.